BiRdS

Bielefelder interdisziplinäre Resilienzförderung didaktisierender Student:innen (BiRdS)

Bielefelder interdisziplinäre Resilienzförderung didaktisierender Student:innen (BiRdS)

„Das Fitnessstudio für Stimme & Psyche“

Bielefelder interdisziplinäre Resilienzförderung didaktisierender Student:innen (BiRdS)

„Das Fitnessstudio für Stimme & Psyche“

Bielefelder interdisziplinäre Resilienzförderung didaktisierender Student:innen (BiRdS)

„Das Fitnessstudio für Stimme & Psyche“




Bielefelder interdisziplinäre Resilienzförderung didaktisierender Student:innen (BiRdS) „Das Fitnessstudio für Stimme & Psyche“

1 Über das Projekt

1.1 Hintergrund

Das Bildungssystem in Deutschland steht nicht erst seit dem neuen PISA-Schock vor großen Herausforderungen. Bis zum Jahr 2025 fehlen laut Prognose der Kultusministerkonferenz aus dem Jahr 2023 rund 25.000 Lehrkräfte. Maßnahmen zur Gesundheitsfo¨rderung, die direkt beim ÍStresserleben der Lehrkräfte ansetzen, bieten eine Möglichkeit, diesem Mangel zu begegnen.

Die beiden wichtigsten (berufs-)stressassoziierten Erkrankungen für den Lehrberuf sind Stimmstörungen und psychische Erkrankungen. Mehr als jede zweite Lehrkraft erkrankt im Laufe des Berufslebens (zumindest temporär) an einer Stimmstörung, welche die Fähigkeit zu unterrichten stark einschränken kann. Dies ist häufig auch psychisch sehr belastend. Bis zu einem Drittel der Lehrkräfte zeigt im Laufe des Berufslebens sogar Symptome eines Burn-Out-Syndroms. Vor dem Hintergrund, dass die Gruppe der psychischen Erkrankungen mit knapp 50 Prozent die Hälfte der Hauptgründe für eine Frühpensionierung darstellen, wird das große Potenzial gesundheitsfördernder Maßnahmen für Lehrkräfte deutlich.

In einigen Interventionsstudien konnten bereits wirksame Effekte von Achtsamkeitsübungen und kognitiver Psychotherapie auf das Wohlbefinden von Lehrkräften nachgewiesen werden (u.a. Zarate et al., 2019). Allerdings beziehen sich die bisherigen Erkenntnisse ausnahmslos auf bereits berufstätige Lehrkräfte. Jedoch sind Strategien, mit Stress umzugehen, erlernbar . Aus diesem Grund scheint es sinnvoll, entsprechende Stressverarbeitungsstrategien bereits vor dem Berufseinstieg zu lernen. Exakt diese Lücke soll im BiRdS-Projekt geschlossen werden, indem es Lehramtsstudierende im besseren Umgang mit Stress befähigt.

1.2 Ziel

Das BiRdS-Projekt ist ein Fertigkeitstraining, welches spezifisch für den Bedarf von Lehramtsstudierenden konzipiert wurde. Es vereint interdisziplinäre Expertise aus den Bereichen Medizin, Psychologie, Rhetorik, Linguistik und Didaktik. Ziel ist, die Resilienz angehender Lehrkräfte zu fördern und auf diese Weise mit der Gesundheitsprävention bereits in der Ausbildungsphase zu beginnen.

Die Trainingseffekte, also die Veränderungen des individuellen Stresserlebens, werden in Kursen, Seminaren und Workshops des Osthushenrich-Zentrums für Hochbegabungsforschung an der Fakultät für Biologie (OZHB) beobachtet und zur Evaluation des entwickelten Fertigkeitstrainings empirisch in Form einer Kontrollstudie begleitet.

1.3 Durchführung

Am ehesten lässt sich das BiRdS-Training wie ein Fitnessstudio für die Stimme und Psyche vorstellen. Anstatt mit Gewichten trainieren die Teilnehmenden allerdings mit Techniken aus der Psychotherapie, Gesprächsrhetorik und Stimmbildung, um mit Resilienz assoziierte Fähigkeiten zu verbessern.

Um die Trainingseffekte feststellen zu können, erfolgt vor, während und nach der Trainingsphase eine Art „Leistungsmessung“. Im BiRdS-Projekt bedeutet dies, dass die Stressresilienz der Teilnehmenden gemessen werden muss. Dabei wird Stressresilienz als Fähigkeit verstanden, adäquat auf stressbedingte individuelle Vulnerabilita¨t zu reagieren. Doch wie lässt sich diese Fähigkeit messen, da es schließlich keinen „Resilienz-Muskel“ gibt, dessen Kraft- oder Umfangszunahme sich erheben lässt?

Hierfür wurde ein multidimensionales Konstrukt verschiedener Stresssurogatmarker entwickelt. Surrogatmarker sind Ersatzmesswerte, für die bereits ein Zusammenhang zur eigentlichen Messgröße nachgewiesen wurde. In unserem Konstrukt messen wir bekannte Surrogatmarker für Stress und interpretieren eine Abnahme dieser Stresssurogatmarker als eine verbesserte Stressresilienz.

Die von uns verwendeten Stresssurogatmarker lassen sich in vier Gruppen unterteilen:

1.Stimme (sog. Sprachbiomarker)
2. Herzfrequenz und Herzfrequenzvariabiliät
3. Elektrophysiologie (elektroenzephalografische Ableitungen der Hirnaktivität)
4. Psyche (Fragebögen zum Stresserleben und der Stressverarbeitung)

Voruntersuchung
Jede:r Teilnehmende absolviert zuerst eine ca. 45-minütige Voruntersuchung. Neben einem professionellen Stimmscreening und der Beantwortung von zwei Fragebögen umfasst diese auch das Vortragen einer unbekannten, fünfminütigen Pecha-Kucha-Präsentation.

Trainingsphase
Die BiRdS-Studie profitiert davon, dass die Lehrkräfteausbildung am OZHB seit vielen Jahren in die integriert ist. Aktuell betreuen 40 Studierende pro Semester in Vierergruppen unterteilt jeweils einen Kolumbus-Kids-Kurs, an denen naturwissenschaftliche begabte Schüler:innen der vierten bis siebten Klasse teilnehmen. Ein Kurs umfasst zehn bis zwölf Unterrichtseinheiten a´ 90 Minuten, sodass jede:r Studierende drei Unterrichtseinheiten eigenständig vorbereitet, durchführt und reflektiert.

An der BiRdS-Studie können folglich 40 Lehramtsstudierende pro Semester teilnehmen. Diese werden randomisiert in eine Kontroll- und Interventionsgruppe eingeteilt. Die Teilnehmenden der Interventionsgruppe erhalten nach der ersten und zweiten Unterrichtseinheit das spezifisch konzipierte Fertigkeitstraining (BiRdS-Training). Dieses umfasst zwei dreistündige Workshops, in welchem die Teilnehmenden unterschiedliche Wege der individuellen Stressbewältigung lernen. Teilweise werden die Übungen mit einem digitalen Echtzeitfeedback ausgewählter Stresssurogatmarker verknüpft, um den Lerneffekt zu vergrößern. Zudem werden die Messdaten des individuellen Stresserlebens aus dem realen Unterricht im Rahmen der eigenständig durchgeführten Kolumbus-Kids-Kurse in das Training integriert, was jedem/jeder Teilnehmenden eine zielgerichtetere Arbeit an den individuellen Potenzialen ermöglicht.

Nachuntersuchung

Nachdem die Trainingsphase erfolgreich abgeschlossen wurde, erfolgt eine Nachuntersuchung mit analogen Inhalten zu der Voruntersuchung. Im Anschluss daran erhält jede:r Teilnehmende ein Feedbackgespräch, in welchem die individuelle Leistungsveränderungen analysiert und eingeordnet werden.



2 Möglichkeiten der Teilnahme

2.1 Information für Studierende

Studierende der Biologie an der Universität Bielefeld haben die Möglichkeit, im Rahmen der Berufsfeldbezogenen Praxisstudie (BPST) oder der Übung zum Praxissemester (ÜPS) die Kurse, Seminare und Workshops am OZHB mitzugestalten.

3 Kontakt

Bei Interesse oder Fragen wenden Sie sich gerne an Julian Neugebauer: julian.neugebauer@uni-bielefeld.de

4 Literatur

Zarate, K., Maggin, D. M., & Passmore, A. (2019). Meta-analysis of mindfulness training on teacher well-being. Psychology in the Schools, 56(10), 1700–1715. https://doi.org/10.1002/pits.22308



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