../musik

Die Chopin'schen Nocturnes sind keineswegs so düster, wie sie als 'Nachtstücke'
zu sein scheinen, aber natürlich hatte Fontane diese Musik auch nicht unmittelbar
gegenwärtig. So war es wohl hauptsächlich der Name, der ihn von diesem Beispiel
Gebrauch machen ließ. Überraschend ist ja auch, dass Effi überhaupt
so gut Klavier spielen kann. In Kessin hat sie zwar einen Flügel, doch nur einmal ist
davon die Rede, dass sie etwas spielt, auf Wunsch ihres Mannes etwas "aus Lohengrin oder
aus der Walküre" (siehe unter ZITATE zu Kapitel 13). Später wird für ihren Aufenthalt
in Bad Ems noch erwähnt, dass sie in ihrem Salon "dann und wann eine Sonate" spielt
(Kap.30, Abs.1). Das hier wiedergegebene Nocturne Nr. 2 ist eines der leichteren.

![]() |
|
Guido Reni: Der Zug der Aurora
|
Die Stiche nach Benjamin West (1738-1820) an der Wand gegenüber deuten
hingegen eher Gefahren und Befürchtungen an. Das gilt zumal für das
eigens genannte Bild "König Lear im Unwetter auf der Heide". Es gibt die Szene
III,2 von Shakespeares "King Lear" (1606) wieder, in der Lear, von seinen Töchtern
verraten, Blitz und Unwetter auf sich herunterruft, weil ihm diese noch immer weniger
antun können, als ihm durch die arglistigen Töchter angetan worden ist.
Das nimmt die Enttäuschung vorweg, der auch Effi durch ihre Tochter ausgesetzt
sein wird.

![]() |
|
Benjamin West (1789): King Lear (Museum of Fine Arts, Boston, Mass.)
|
Ansonsten zeigen Wests Bilder vielfach mythologische oder historische Konfliktmomente,
die ebenfalls eher von Risiken und Gefahren als von guten Ausgängen künden.
Das kommt auch in dem Hinweis auf die Aquatinta-Manier und ihr Resultat von "viel Licht
und Schatten" zum Ausdruck, ein Kupferstich-Verfahren, das wegen der besonderen Art
der Ätzung die Stiche mehr wie kontrastreiche Tuschzeichnungen aussehen lässt.

![]() |
|
Benjamin West (1808): The Death of Nelson (National Maritime Museum, Greenwich)
|
Fontane schätzte West zumal als Historienmaler, weil er in ihm einen
Wegbereiter des Realismus sah. Als Beispiel hier das seinerzeit oft
reproduzierte Bild des Vertragsschlusses von 1681 zwischen William Penn und
den Indianern:

![]() |
|
Benjamin West (1772): Penn's Treaty with the Indians (Pennsylvania Academy of
Fine Arts, Philadelphia, Pa.)
|
